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Perleberg –„Die verbotene Stadt“
Gespräch mit Hobbyfilmemacher Jens Nering zu seinem jüngsten Streifen über die Zeit der Stationierung der Sowjetarmee in der Stadt.
„Die verbotene Stadt“ – so der Titel des achten Films von Jens Nering zur Geschichte Perlebergs. Redakteurin Doris Ritzka sprach mit dem Hobbyhistoriker und -filmemacher über seinen jüngsten Streifen, der sich mit der Zeit, in der die Sowjetarmee in Perleberg stationiert waren, beschäftigt.
„Die verbotene Stadt“, irgendwie verbindet man das mit Tschernobyl. Was hat aber Perleberger mit der Stadt in der Ukraine, mit Atomenergie, zu tun?
Jens Nering: Vielleicht mehr, als man zu glauben vermag. Das Gerücht, dass auf dem Flugplatz Atomraketen stationiert waren, gab es all die Jahre.
War es nur ein Gerücht?
Die Antwort des letzten Kommandeurs der GUS-Truppen (Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte) in Perleberg, Nikolaj Dranischnikow, lautet eindeutig: Nein darauf, ob hier Atomraketen stationiert waren. Stell’ die Frage anders, folgte gleich darauf.
Das heißt?
Die Antwort liefern der Film und das Buch. Nur so viel, es wird spannend.
Ist das Buch die textliche Begleitung zum Film?
Zum Teil schon, aber es gibt Dinge, sprich Videos, die lassen sich nur schwer im Buch wiedergeben. Anders herum kann man in einem Film nur bestimmte Sequenzen einfangen. Denn die Überlieferungen aus der Zeit, da die Russen in Perleberg stationiert waren, sind teilweise widersprüchlich bzw. sie werfen Fragen auf.
Zum Beispiel?
Am 2. Mai 1945 marschierten die Russen in Perleberg ein und blieben bis März 1992. Ein Neunjähriger will vom Balkon des Kaufhauses aus beobachtet haben, wie ein Panzer an der Ecke Bäckerstraße von Heckenschützen unter Beschuss genommen wurde. Die Besatzung habe daraufhin den Panzer verlassen. Eine sehr fragwürdige Schilderung, denn welche Besatzung verlässt ihren Panzer während Kriegshandlungen? Auch die Übergabe der Stadt wirft Fragen auf.
Inwiefern?
Danach soll der Genosse Georg Müller von seinem Garten in der Parchimer Straße aus beobachtet haben, wie die Russen vom Musikerberg her in Perleberg einmarschierten. Schnell will er daraufhin die Stadt übergeben haben. Wer war aber dieser Genosse Müller? Man findet ihn in keinem Einwohnerverzeichnis.
Berichtet wird auch, dass junge Genossen bereits am 3. Mai 1945 in Hoffmanns Hotel eine Zusammenkunft abgehalten haben. Es ist aber kaum anzunehmen, dass der Russe so eine zugelassen hätte. Schließlich war noch Krieg, in der Stadt wurde noch geschossen.
Woher haben Sie ihre Informationen über diese Zeit?
Recherchen in Archiven, an Originalschauplätzen. Zudem habe ich eine Vielzahl von Dokumenten und Bildern, die ich privat erhielt, und es gibt noch Zeitzeugen.
Unter anderem wen?
Horst Hentschel ist einer, der auch im Film seine Flucht aus Polen, die letzten Kriegstage in Quitzow und die erste Zeit der Russen schildert. Flüchtlinge waren damals alles andere als willkommen hier. Sie wohnten in unbeheizbaren Räumen, Fleisch zum Essen besorgten sie sich von toten Pferden auf der B5 und immer dabei die Tiefflieger im Nacken.
Gab es sie wirklich, die verbotene Stadt in Perleberg?
Ja. Als die Russen in die Stadtkaserne einzogen, schloss sich das Land darum, wurde dieses Areal zur verbotenen Stadt. Wann das aber genau war, das vermag niemand mehr mit Bestimmtheit zu sagen. Fest steht, es muss nach 1945 gewesen sein. Denn in den Kasernen waren anfangs noch Militär und dann auch Flüchtlinge.
Gibt es eigentlich Zahlen zur Truppengröße, zur Technik und dergleichen?
Ja und auch Bilder. Die Rede ist von 8000 bis 10 000 Russen, die in Perleberg stationiert waren. Und auf dem Flugplatz waren auch Panzer. Perleberg galt als Erstschlagsziel der NATO. Die Perleberger Panzer hätten es im Angriffsfall bis an den Rhein geschafft, so die Aussage eines hochrangigen Militärs der NATO. Wir hatten hier sogar Flugabwehrraketen.
Auch die Russe erlebten die Wende.
… den Westen und die D-Mark. Sie waren sogar tief im Westen. Die Neusser schauten nicht schlecht, als die russische Militärkapelle aus Perleberg bei ihnen aufspielte.
Viele der Offiziere und Soldaten wollten auch nicht wieder zurück. Für einen Großteil ging es geradewegs nach Afghanistan, für die anderen in die Heimat. Es gab auch Zwischenfälle in dieser Zeit. Ein Wachposten wurde am Schießplatz erschossen. Die Umstände wurden nie geklärt. Jedenfalls nicht offiziell. Am Munitionspunkt Spiegelhagen wurde ein Soldat versehentlich durch einen Kameraden verletzt.
Es gibt sicher noch viel zu erzählen, immerhin hat das Buch 86 Seiten. Wann ist denn nun Filmpremiere bzw. erscheint das Buch?
Am 24. Juli um 19 Uhr ist im „Effi“ Filmpremiere. Tags darauf kann man die DVD und das Buch in der Stadt-Info, im Salon Nering sowie in der Buchhandlung „Kapitel 15“ erwerben.
Vielen Dank